Warum AI 2024 keine Agenturen ersetzt

17. Januar 2024

Das Thema AI wird uns 2024 mehr begleiten als jemals zuvor. Die Gründe liegen auf der Hand: Microsoft stärkt mit dem Copilot sowohl für Privatnutzer als aber auch für den Business-Bereich den Einsatz für den “normalen” Endverbraucher, ChatGPT wird als das Allheilmittel für so ziemlich alles gelobt und “Powered by AI” landet auf Produkten, bei denen man es so absolut nicht erwarten würde, wie beispielsweise Fahrrädern. Werden wir nun im Marketing und in der Prozessoptimierung einfach ersetzt? 

AI ist schon lange da, aber war nie richtig ausgereift

Fangen wir erst einmal von Vorne an. Künstliche Intelligenz wird bereits seit Ewigkeiten als Buzzword verwendet, um Produkte besonders fortschrittlich wirken zu lassen. Meine ersten Erfahrungen hatte ich mit einer Software Namens Ultra Hal. Vielleicht ist hier der Begriff “virtueller Assistent” passender, denn so richtig intelligent war das Ding nicht. Ich kann mich nur noch wage erinnern, ich dürfte etwa 12 gewesen sein. Plötzlich hatte ich diese Software mit Sprachausgabe, die sich auf bereits hinterlegte Informationen beziehen konnte, die Software lernte mit. So richtig praktisch war das alles nicht. Ja, es war irgendwie faszinierend nach dem Geburtstag der Tante zu fragen und eine Antwort zu erhalten, der echte Mehrwert war aber nun wirklich nicht gegeben.

Ultra Hal: Nicht besonders hübsch, aber irgendwie spannend | Quelle: zabaware.com

Der Einstieg für die breite Masse waren wohl Sprachassistenten wie Alexa, der Google Assistent und Siri. Ich befinde mich selbst im Google-Universum und habe mich recht schnell mit Google Homes, später mit etwas hochpreisigen Lautsprechern zugemüllt.

Warum der negative Ton dabei? Naja, so cool Routinen auch sind, die bei Ankunft die Heizung anstellen, das Licht dimmen und meinen Plattenspieler einschalten, so nervig ist es auch Google anzubrüllen, doch endlich mal das Licht auf 100 % zu stellen. Nicht selten führte das beim Besuch zu Lachern.

Eine Art intelligenter Assistent existierte also, so richtig intelligent war er dann aber doch nicht. Dazu lernte er auch wenig Neues, AI ist hier wohl der falsche Begriff. 

Und plötzlich wurde das Denken abgegeben

2023 wurde das Internet plötzlich von selbsternannten AI-Gurus überflutet, die Antwort auf alle Fragen des Denkens? ChatGPT. Marketingideen? ChatGPT. SEO-Texte? ChatGPT. Tagesplanung? Auch ChatGPT. Doch wie ChatGPT überhaubt funktioniert und wie die Informationsbeschaffung abläuft, das wissen die Wenigsten.

Eine gigantische Welle an “So wirst du mit einer eigenen Social Media Agentur reich – ohne eigenes Wissen” Kursen flutete das Internet. Die Ergebnisse? Was soll man sagen, oftmals ist ChatGPT gar nicht so schlecht. 

Doch damit kommen wir zu dem, was ich als Problem mit der ganzen Thematik AI sehe: Es sollte unterstützen, nicht ersetzen. Und man muss wissen, wie es funktioniert, damit man die Antworten richtig auswerten kann.

Beispiele die ich hier nenne werden vermutlich schnell veraltet sein, die Technik entwickelt sich in einer absurden Geschwindigkeit. Doch hier mal das, was mir am Häufigsten aufgefallen ist. Der Datensatz zu Zeiten von ChatGPT 3 war von 2021, die AI wusste also schlicht nicht von neueren Dingen. Konkret führt sowas dazu, dass beispielsweise Fragen zu Influencern sich auf einen alten Stand beziehen. Nicht schlimm – wenn man es weiß.

Aber zurück zu den ganzen AI Agenturen, die wie nichts Gutes aus dem Boden sprießen. Ich kann absolut sehen, dass es ein wenig wie die Zeit der NFTs oder Cryptowährungen wirkt, wer jetzt eine gute Idee hat oder einfach schnell dabei ist, kann sich daran temporär sicher gut bereichern. Hunderte Tools für SEO-Texte & Social Media Content setzten auf AI, nutzen aber schlussendlich die gleiche Basis und bringen oft keine wirklichen Vorteile gegenüber der Wettbewerber.

Dabei kann AI als Unterstützung im Alltag ein unglaublich wertvolles Werkzeug sein.

Wofür wir AI nutzen

Um es klar zu sagen: Wir nutzen AI nicht, um komplette Texte zu verfassen und die kreative Arbeit abzugeben. Wir nutzen AI wie Handwerker ihr Werkzeug nutzen: Als Unterstützung. Und wie beim Werkzeug des Handwerkers wird der Meister damit mehr erreichen können als der Lehrling – noch zumindest.

AI ersetzt bei uns nicht die Arbeit eines Fotografen oder eines Texters, das halten wir auch moralisch für fragwürdig, wenn es auch noch so spannend erscheint. Aber es ermöglicht Dinge, die so zuvor nicht möglich waren. Ich werde in einem anderen Artikel nochmal genauer drauf eingehen, aber hier mal ein paar kleine Beispiele.

AI für die Bildbearbeitung

“Sorry, unsere Büros sind eher etwas schlichter ausgestattet, bekommen wir dennoch gute Fotos hin?” Solche Sätze hören wir nicht selten, und die Antwort ist mit Photoshop ziemlich einfach: Ja!

Die Möglichkeiten der Bildbearbeitung mit AI sind absolut beeindruckend. Mit wenigen Klicks wird aus einem Bild in einem langweiligen Büro ein eindrucksvolles Büro, dass auch die Chefetage eines Investmentbänkers neidisch macht.

Das macht Fotografie nicht nur flexibler, es spart auch viel Aufwand bei der Vorbereitung. 

AI für Social Media

ChatGPT lässt sich mit den richtigen Prompts ziemlich gut auf die Unternehmenssprache anpassen, doch ohne prüfenden Blick und einigen Korrekturen kommen die Texte immer noch etwas Hölzern heraus. Was ChatGPT aber hervorragend kann, ist bei Ideen für Themen zu unterstützen. 

Dazu kann es bei nervigen Arbeiten wie dem heraussuchen passender Emojis helfen. Das spart viel Aufwand und kann nicht wirklich besser gemacht werden. 

Wofür kann dein Unternehmen AI nutzen?

Du fragst dich sicher, wie du AI in deinen Prozessen effektiv einsetzen kannst. Wir unterstützen dich gerne dabei und zeigen dir, wie du durch den cleveren Einsatz von AI deine Prozesse nachhaltig verbessern kannst.

Wofür wir AI nicht nutzen

Wie schon erwähnt, AI ersetzt keine Kompetenz, es ist ein Werkzeug. Entsprechend gibt es viele Bereiche, in denen wir aktuell noch nicht auf AI setzten.

AI für SEO

Suchmaschinenoptimierung wird vermutlich in den nächsten Jahren an Bedeutung verlieren. Nicht, weil die Leute nichts mehr suchen, sondern weil die Art wie wir suchen sich ändern wird. LinkedIn ist für viele Unternehmer mittlerweile das Newsportal, wenn es um Trends ihrer Branche, Marketing und andere Neuerungen geht. Doch überflüssig ist SEO natürlich noch lange nicht.

Es ist nicht immer ganz klar, woher ChatGPT seine Informationen nimmt. Beim Kunden “die magische AI hat es uns so gesagt” als Grundlage zu nehmen ist dann schon etwas Schwach.

Wir verlassen uns daher beim Thema SEO weiter auf Zahlen aus verschiedenen Tools und der Auswertung der Erwartungshaltung des Suchenden. Was meine ich damit? Klar ist es charmant als lokaler Vertrieb von Auto Ersatzteilen mit dem Begriff “Auto Ersatzteile” auf Platz 1 zu landen, aber selbst wenn das durch irgendwelche Tricks klappen sollte, reichen die 200 Produkte wirklich aus? Vermutlich springt der Kunde ab und geht zum Shop mit tausenden Ersatzteilen.

Das ist aufwendig, aber es zeigt unseren Kunden, wie es wirklich um seine Branche, seine Wettbewerber und die gewünschten Schlagworte geht. Da kann AI heute, zumindest nach unseren Erfahrungen, noch nicht weiter helfen.

AI für Prozessoptimierung

Ein nicht zu unterschätzender Teil unserer Arbeit liegt darin, Prozesse zu optimieren. Das bedeutet beispielsweise, dass Kontaktformulare bei Fragen zu einem gewissen Thema direkt auf Informationsseiten verweisen. Hier können AI-Assistenten zwar schon helfen, die Akzeptanz variiert je nach Branche aber enorm.

Generell sind Prozesse etwas, in das man sich sehr aktiv hineindenken muss. Ja, für einfache Prozesse kann man die AI gut füttern und kann durchaus solide Vorschläge erhalten, die Umsetzung liegt dann aber noch vor. 

Für uns ist es wichtig, den Kunden richtig zu verstehen und uns in seine Kunden reinzudenken. Kundenmatrix anlegen, Bedürfnisse und Sorgen erkennen und daraus entsprechende Prozesse entwickeln. Das geben wir so nicht an eine AI ab.

Wird unsere Branche bald durch AI ersetzt?

Die Glaskugel ist aktuell leider noch nicht aus der Reparatur zurück, aber eins steht fest: AI wird auch Leuten mit weniger Praxiserfahrung bei vorhandener Theorie mehr und mehr ermöglichen. Ein Hochzeitsfotograf kann einen dreckigen Tisch mit wenigen Klicks sauber machen, ein Marketingmanager für Social Media kann Ideen für zukünftige Beiträge sammeln. Doch aktuell bleibt AI eins: Ein Werkzeug.